16.07.2026

Perspektivwechsel im Autismuszentrum: Dr. Martina Münch informiert sich über die Lebensrealität von Menschen im Autismusspektrum

Welche Unterstützung brauchen Menschen im Autismusspektrum und ihre Familien und welche Folgen hätte es, wenn diese Hilfen eingeschränkt würden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Dr. Martina Münch, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Soziales, Gesundheit und Vielfalt der Stadt Leipzig, bei ihrem Besuch im Autismuszentrum des Jugend- und Erziehungshilfeverbundes der BBW-Leipzig-Gruppe.

In einer Gesprächsrunde mit Antje Oehmichen, Leiter*in des Autismuszentrums, und Christian Lenz, stellv. Geschäftsbereichsleiter*in des Jugend- und Erziehungshilfeverbundes, informierte sich die Sozialbürgermeisterin über die Arbeit der Einrichtung.

Unterstützung bedeutet vor allem, das Umfeld zu stärken.

Im Gespräch wurde deutlich, dass sich die Arbeit des Autismuszentrums in den vergangenen Jahren verändert hat. Neben der individuellen Förderung von Menschen im Autismusspektrum liegt der Schwerpunkt heute zunehmend darauf, Familien, Schulen und weitere Bezugspersonen zu beraten und zu befähigen, auf die Bedürfnisse von Betroffenen einzugehen.

„Das Umfeld muss verstehen, wie es Menschen im Autismusspektrum unterstützen kann. Genau darin liegt einer der größten Hebel für gelungene Teilhabe“, erläuterte Antje Oehmichen. Deshalb gewinnen Beratungsangebote, Informationen zu Leistungsangeboten und Zugangswegen, Vermittlung an niedrigschwellige Unterstützungsangebote, Fortbildungen und Netzwerkarbeit immer mehr an Bedeutung.

Besonders hervorgehoben wurde dabei die Beratungs- und Clearingstelle des Autismuszentrums, gefördert durch die Stadt Leipzig, Sozialamt. Sie bietet niedrigschwellige Unterstützung auch dann, wenn noch keine Diagnose vorliegt, auf die Betroffene meist Jahre warten. Denn erst nach der Diagnose können Leistungen beantragt werden. „Das Angebot ist eine wichtige Ergänzung der Leipziger Hilfelandschaft und federt Lücken im System ab“, so Christian Lenz.

Einblick in die Arbeit des Autismuszentrums

Im zweiten Teil des Perspektivwechsels schilderten Mitarbeitende persönliche Erfahrungen aus ihrem Arbeitsalltag. Sie beschrieben ihre Rolle als Vermittler*innen zwischen unterschiedlichen Wahrnehmungswelten und machten deutlich, welche Folgen fehlende Unterstützung für Betroffene und ihre Familien haben kann.

Der Andrang auf die Beratungsstelle ist groß, denn in der Region gibt es nur wenige autismusspezifische Unterstützungsangebote. Dass aktuell Kürzungen im Gespräch sind, ist aus Sicht der Mitarbeitenden im Autismuszentrum katastrophal. „Das System spart heute an der Eingliederungshilfe und zahlt morgen ein Vielfaches für chronische psychische Erkrankungen, psychiatrische Klinikaufenthalte, medizinische Rehabilitation und Grundsicherung. Jedes Mal, wenn wir eine Biografie stabilisieren, leisten wir deshalb einen unschätzbaren, präventiven Beitrag“, so eine*r Mitarbeiter*in.

Die Brisanz der Situation spiegelte sich auch in den vorgelesenen Elternberichten wider, in denen von Überforderung, Verzweiflung und Jobaufgabe erzählt wurde.

Der Besuch hinterließ bei Dr. Martina Münch einen nachhaltigen Eindruck. Die Sozialbürgermeisterin betonte die Verantwortung der öffentlichen Hand, notwendige Unterstützungsangebote auch in finanziell schwierigen Zeiten zu sichern.

„Sozialleistungen sind kein Luxus, sondern schaffen Chancengleichheit. Es bleibt unsere Aufgabe, Menschen die Unterstützung zu ermöglichen, die sie für ein selbstbestimmtes Leben benötigen. Deshalb gilt mein großer Dank den Mitarbeitenden des Autismuszentrums, die diese wichtige Arbeit jeden Tag leisten. Betroffene Menschen sind auf eine verlässliche und kontinuierliche Begleitung angewiesen. Gerade deshalb dürfen wir bei notwendigen Einsparungen die Lebensrealität der Betroffenen nicht aus dem Blick verlieren.“

Der Perspektivwechsel machte deutlich, welchen unverzichtbaren Beitrag das Autismuszentrum für Menschen im Autismusspektrum, ihre Familien und ihr Umfeld leistet. Die Mitarbeitenden begleiten nicht nur Betroffene auf ihrem Weg zu mehr Teilhabe, sondern tragen mit ihrer Arbeit auch dazu bei, Krisen zu vermeiden und langfristige Perspektiven zu schaffen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Bedarfe und wachsender Wartelisten wurde deutlich, wie wichtig verlässliche Unterstützungsstrukturen für eine inklusive Gesellschaft sind.

Weitere Informationen zum Autismuszentrum: https://www.jugend-und-erziehungshilfe.de/autismuszentrum/

 

Gefördert durch die Stadt Leipzig, Sozialamt:

  • Link zu der Website: https://www.leipzig.de/
  • Logo Freistaat Sachsen
  • Logo Aktion Mensch

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Christine Heuer

Christine Heuer

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