31.08.2026

Perspektivwechsel im Jugend- und Erziehungshilfeverbund - mit Susann Rüthrich

Wie können Kinder- und Jugendhilfe und Verwaltung auch unter finanziellem Druck so zusammenarbeiten, dass die tatsächlichen Bedarfe junger Menschen im Mittelpunkt bleiben? Darüber sprach Susann Rüthrich, Kinder- und Jugendbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung, bei ihrem Perspektivwechsel im Jugend- und Erziehungshilfeverbund der BBW-Leipzig-Gruppe.

Susann Rüthrich bildet als Kinder- und Jugendbeauftragte eine Schnittstelle zwischen Ministerien, Verwaltung und jungen Menschen. Ihre Aufgabe ist es, Kinderrechte in Sachsen umzusetzen und zu fördern.

Karin Leonhardt, Geschäftsbereichsleiter*in des Jugend- und Erziehungshilfeverbundes, Frank Braun, Abteilungsleiter*in Jugendberufshilfe, und Tom Spindler, Abteilungsleiter*in Stationäre Erziehungshilfen, begrüßten Susann Rüthrich und stellten bei einem Rundgang die vielfältigen Angebote des Verbundes vor.

Im anschließenden Gespräch ging es vor allem um das Spannungsfeld zwischen steigenden Bedarfen, knappen finanziellen Mitteln und gesetzlichen Vorgaben. Viele Hilfesysteme und Leistungsträger sind an der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen beteiligt, was Prozesse verkomplizieren kann. Oft steht die Frage der Zuständigkeit vor der Frage nach dem eigentlichen Bedarf.

Bundesländer und Kommunen setzen dieselben gesetzlichen Grundlagen zum Teil sehr unterschiedlich um. Für Rüthrich ist deshalb klar: Es braucht Pragmatismus und den Mut, vorhandene Ermessensspielräume zu nutzen.

Ein weiteres großes Thema war die angespannte finanzielle Situation von Kommunen, Land und Bund.

„Mit dem Finanzdruck werden wir weiter umgehen müssen. Die strategische Frage ist deshalb: Wofür geben wir unser Geld sinnvoll aus, damit es den maximalen Effekt hat?“, so Susann Rüthrich. Angesichts der demografischen Entwicklung sei es umso wichtiger, jungen Menschen in Sachsen gute Perspektiven zu eröffnen. „Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen den bestmöglichen Weg finden und Chancen bekommen. Das müsste ein konsensfähiges Ziel sein.“

Frank Braun ergänzte: „Eigentlich geht es auch um wirtschaftliche Vernunft. Unsere Angebote tragen dazu bei, dass junge Menschen ihren Platz in der Gesellschaft finden – als Bürger*innen und später auch als Fachkräfte.“

Diskutiert wurde auch über die fehlende Planungssicherheit bei verschiedenen Maßnahmen.  Erfolgreiche Angebote wie das Netz kleiner Werkstätten müssen ihre Förderung alle zwei Jahre neu beantragen.  Das erschwert eine verlässliche und kontinuierliche Begleitung der Teilnehmenden zu gewährleisten.

Der Perspektivwechsel zeigte viele gemeinsame Themen und ein gemeinsames Ziel: Kinder und Jugendliche müssen im Mittelpunkt stehen. Dafür braucht es verlässliche Finanzierung, eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Hilfesystemen und eine Verwaltung, die vorhandene Spielräume nutzt, um Lösungen zu finden.

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Christine Heuer

Christine Heuer

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